Es wird heutzutage viel über Umwelt­schutz geredet, aber viel zu selten etwas gemacht

14.11.2020 | Susanne und Christoph Reithmair | ∅ 4 min

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Christoph Reithmair ist Diplomingenieur und Geschäftsführer der ars navigandi GmbH sowie der OmniCert Consulting GmbH. Susanne telefoniert mit ihm nach seinem Vortrag „Grüne Digitalisierung? Ist Digitalisierung nachhaltig(er) machbar?" im Rahmen des Münchner Klimaherbstes 2020.

Digitale Nachhaltigkeit bietet viele Ansatzpunkte. Dabei ist die Software bisher seltener im Blick. Wo sehen Sie hier Potenzial?

Christoph Reithmair: Prinzipiell würde ich zwischen drei verschiedenen Aspekten von nachhaltiger Software unterscheiden: 1. Die Erstellung der Software ist nachhaltig. 2. Der Gebrauch der Software ist nachhaltig. 3. Die Software hat einen nachhaltigen Nutzen. Bei Software spielt ja nicht nur der Energieverbrauch eine Rolle, wie man zunächst meinen könnte. Es gibt mittlerweile den Blauen Engel für Software. Doch das ist noch viel zu wenig bekannt. Obwohl das Label auf dem Markt ist, stehen wir in der Verbreitung noch ziemlich am Anfang. Aber schon jetzt kann ich im Beschaffungswesen darauf zurückgreifen. Hier sehe ich noch einen weiten Weg bis alle Ebenen der Anwendung beschritten sind.

Sie bilden aus in Ihrem Unternehmen. Wie sieht es mit den Lehrplänen aktuell aus?

Christoph Reithmair: Zum Glück ist im Lehrplan für unsere Azubis zum Fachinformatiker der Punkt Nachhaltigkeit enthalten. Das ist sehr erfreulich. Allerdings scheint dieser offen formuliert zu sein. Also habe ich den jungen Leuten ein paar Beispiele genannt, wie sie damit konkret umgehen könnten. Damit habe ich echte Begeisterung geerntet. Zu wissen, wie ich z. B. energiebewusstes Programmieren angehen kann, das wird sofort angenommen.

Werfen wir einen Blick in die Welt der Umweltgutachten: Spielen Datensuffizienz und Energieverbrauch durch Datentransfer eine Rolle bei Zertifizierungen und Berichterstattung?

Christoph Reithmair: Bisher ist nur für Großunternehmen eine Zertifizierung vorgegeben nach dem europäischen Umweltmanagementsystem EMAS (Eco-Management and Audit Scheme), das auch ISO 14001 abdeckt. Dabei gilt auch die Veröffentlichungspflicht. Für kleine und mittlere Unternehmen ist das Berichten freiwillig.
Unsere Agentur ars navigandi durchläuft aktuell eine freiwillige EMAS-Zertifizierung. Hier geht es z. B. auch um den Stromverbrauch, den wir systematisch verbessern wollen. Warum machen wir das? Wir tun viel für den Klimaschutz und stellen fest, dass Stakeholder wie Kunden und Dienstleister positiv auf die Berichterstattung reagieren. Sie schenken einem extern zertifizierten Unternehmen mehr Vertrauen. Wir erleben auch, dass Fachkräfte Unternehmen bevorzugen, die sichtbare Schritte für die Umwelt gehen. Kurz: Transparent sein und beim Umweltschutz mitmachen lassen, sich gemeinsam Ziele stecken: Das ist sinnvoll und rechnet sich auch.

Wird beim EMAS auch die Digitalwirtschaft angemessen abgebildet?

Christoph Reithmair: Nein. Für die Digitalwirtschaft gibt es die notwendigen Kriterien noch nicht. Wichtig ist, Unternehmen hierzu mehr Informationen und Prozesse an die Hand zu geben, um Umweltschutz zu leben, zu zeigen und dann als Wettbewerbsvorteil zu nutzen.

Wie sehen Sie Think Digital Green® aufgestellt?

Christoph Reithmair: Ich kann nur sagen, Hut ab, dass hier das eigene Konzept durchgezogen wird. Die Website ist CO2-leicht, sie hält, was sie verspricht. Und es macht Spaß in den Blogs zu lesen, auch wegen der Farben. Es wird heutzutage viel über Umweltschutz geredet, aber viel zu selten etwas gemacht. Hier sehe ich eine Ausnahme.

Weiterführende Infos für Dich:
∷ Blauer Engel für Software
∷ Website: ars navigandi GmbH
∷ Website: OmniCert Consulting GmbH

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