Die Public Climate School von Students for Future Munich, lud uns zur Klimastreikwoche ein. Worum geht’s? Digitaler Lebensstil und Klimaschutz gehören zusammen. Was denkst du dazu?

Eine Premiere für uns: Wir sprechen mit Student*innen der Informatik.

Sie beschäftigen sich speziell mit mobilen Anwendungen. Wie sind sehr gespannt, was sie zu unseren Impulsen sagen werden.

Es bimmelt im virtuellen Raum und die Teilnehmenden kommen herein. Dann begrüßt Professorin Gudrun Socher die internationale Gruppe und es geht los!

Gianluca zeigt, ab welchem Datum eines Jahres einzelne Länder ihre Ressourcen überstrapazieren. Für Deutschland rückt das Datum immer weiter vor im Kalender. 2021 ist das schon der 5.Mai. Dann fragt er nach dem CO2-Fußabdruck, den du oder ich pro Jahr insgesamt haben.

Puh, das scheint schwierig, die Gruppe überlegt länger. Es sind 11 t. Für das 1,5 Grad-Ziel sind 2 t pro Person die Obergrenze. Wie siehst du diesen Unterschied? Jetzt geht’s um unser Thema.

„Wissen Sie, wovon der digitale ökologische Fußabdruck insgesamt abhängt?“ Dazu zählt Gianluca auf, dass z. B. Gerätegröße, Übertragungstechnik oder der Energiemix für die Rechenzentren wichtig sind. Jetzt kommt der wichtigste Schritt: Was haben Daten mit CO2 zu tun? Was wäre deine Idee dazu? Nach einer kleinen Pause sagt er:

„Bitte schauen Sie auf diese Werte: 1 GB Datenübertragung bedeuten 1,8 kWH Energie. Das sind 0,72 kg CO2.“

Daran zu denken, ist wichtig, wenn Informatiker*innen an Lösungen arbeiten. Dabei nickt Julian ermutigend. Ein Teilnehmer blickt ernst. Botschaft angekommen!

Krypto-Währungen und IoT müssen wir ebenfalls im Auge behalten, denn ihr Energiehunger ist (noch) sprichwörtlich. Wieviel CO2 verbraucht ein Machine-Learning-System? Hier gibt es bereits Rechner im Internet, die weiterhelfen. „Bitte denken Sie auch ans Klima, wenn Sie daran arbeiten“, empfiehlt Gianluca.

Dann übernimmt Julian: „Wer hat schon mal gehört, dass 25 GB pro Stunde beim autonomen Fahren übertragen werden?“ Die Gesichter spiegeln Staunen. Er schaut ins Publikum und fragt weiter: „Wieviel Datenvolumen verbrauchen Sie selbst in etwa pro Monat?“

Im Chat schreiben einige Teilnehmer*innen: Ich habe keine Ahnung. 400-500GB/Month (I’m a big movie junkie). 700 GB, laut meinem Wifi-Router. Meine Kinder sehen Netflix und so weiter. Ein durchschnittlicher Haushalt hierzulande zieht 167 GB pro Monat, ergänzt Julian.

Was ist zu tun? Hier sind die Top-Tipps

Top-Tipp 1: Anbieter für regenerative Energie nutzen. Auch bei Hostern und Cloud-Anbietern drauf achten. Das ändert viel an der CO2-Bilanz. Jemand fragt im Chat, was wir zu diesem Google-Statement sagen: „[…]in 2017, we became the first company of our size to match 100% of our global, annual electricity consumption with renewable energy[…]“ Ja, das ist eine Pionierleistung. Und gleichzeitig spielt auch die gesamte Infrastruktur des Datenverkehrs eine Rolle und der Datenschutz. Denn tracken und Profile zu erstellen bedeutet, Daten an viele Empfänger zu übertragen.

Ob ecosia oder startpage wirklich schon das Gelbe vom Ei sind für die Internet-Suche? Das zweifelt ein Teilnehmer an. Kritische Kommentare zeigen, dass hier ernsthaft abgewogen wird, wo es sich lohnt anzusetzen. Das ist richtig und wichtig, denn es gibt noch keine Patentlösungen.

Als Julian zu Streaming und Videokonferenzen kommt, wird gelacht. Wir alle sind schließlich gerade Online

Wie können wir uns etwas nachhaltiger und ohne Verzicht mit unserer Community treffen? Top-Tipp 2:  Kamera nur einschalten, wenn sie gebraucht wird. Das verkleinert den CO2-Fußabdruck von ca. 160 g/Stunde auf 6 g pro Stunde! Wie siehst du diese Chance?

Julian überlegt, was die Teilnehmenden, als zukünftige IT-Expert*en beitragen könnten. Sie haben viele Hebel in der Hand, um die digitale Welt klimafreundlicher zu machen.

Top-Tipp 3: nachhaltig im Web arbeiten. Um dabei voran zu gehen, helfen z. B. das Sustainable Web Manifesto https:// www.sustainablewebmanifsto.com oder die Google Developer Tipps https://web.dev/measure/ Warum ist das wichtig? Web Entwickler*innen können bis zu 40 % des Internet-CO2-Fußabdrucks beeinflussen.

“Great tips on how we can reduce data consumption.”

Damit startet Professorin Socher die offene Runde. Wir diskutieren, ob aus Klimagründen manche Funktionen nicht wieder mehr analog sein könnten, wie etwa das Zeitunglesen.

Auch um die Value-Designs von digitalen Geschäftsmodellen geht es. Oder ob ein Meeting in der Hochschule verglichen mit eine Zoom-Konferenz klimafreundlicher wären.

Auch wenn hierzu noch verlässliche Vergleichsdaten fehlen, zeigt sich, dass die Studierenden ihren Alltag mit den neuen Impulsen gleich einmal hinterfragen. Und das vermutlich nicht nur in dieser intensiven Session bei der Public Climate School.

Danke an alle für die wertvolle Beteiligung und an Professorin Gudrun Socher und Sebastian Plank, Geschäftsführer MUC DAI, für die Einladung. Schickt eure Kommentare dazu gern an: info@thinkdigitalgreen.de

Mehr Infos

  1. MUC DAI https://www.future-code.bayern/news/mucdai/
  2. Programm der Public Climate School: https://studentsforfuture-muc.de/#pcs
  3. Webdesign ganz auf den Menschen ausgerichtet, Blog-Beitrag Niklas Jordan https://thinkdigitalgreen.de/webdesign-ganz-auf-den-menschen-ausgerichtet/
  4. Dr. Jens Wehrmann, Digial Enthusiast mit klimaneutraler Firma: https://thinkdigitalgreen.de/tag/digital-enthusiast/


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